32-26-01 Beschleunigte Evolution

»  Ausstellung in der LV 1871 - München, ab 15.12.2017
»  Objects of Desire - Sonntag 17. 12.
»  Offene Ateliers in der Wiede-Fabrik - 22. bis 25. Februar 2018

» Was ist Beschleunigte Kunst?

Beschleunigte Kunst in einer beschleunigten Gesellschaft

HC Ohl - Fotografien - digitale Malerei

Der Fotoapparat nimmt eine Situation durch sein „Objektiv“ wahr. Aber wie objektiv ist das Bild, das entstanden ist? Es ist perspektivisch richtig - soweit o.k.. Aber auf jeden Fall handelt es sich schon einmal nur um einen sehr schmalen Ausschnitt aus der Zeit. Die Fixierung eines kurzen Momentes. Allein schon deshalb ist ein fotografisches Abbild immer eien Abstraktion der objektiven Realität.

Das Bild in unserem Kopf, also das Bild hinter unseren Augen, baut sich völlig anders auf als das Bild eines Fotoapparates. Es setzt sich aus Momentaufnahmen verschiedenster Situationen und Zeiten zusammen. Es untermalt die Abbildungen auf der Netzhaut mit Stimmungen und Gefühlen. Es ist in jedem Fall ein sehr komplexes Bild und es ist immer Subjektiv.

Die Fotografie bildet in gewisser Weise einen Schatten der Realität ab. Wird dieser Schatten digitalisiert, schrumpft er zu einer reinen Rechenoperation, zu einer Realität aus Nullen und Einsen. Er wird zu einem virtuellen Schatten, aber auch zu einer High-Tec-Realität beschleunigt.

Die Arbeiten kreisen immer wieder um das Thema ,,Der Mensch in seiner Umwelt„. Dabei versuchen sie zu beleuchten, was Begriffe wie ,,Natur und Umwelt" für den Menschen in der heutigen Zeit bedeuten. Schon der Begriff ,,Umwelt" zeigt, dass wir uns als der Welt gegenüber gestellt empfinden. Auf der einen Seite bin ich, auf der anderen Seite ist die Welt, die mich umgibt. Im Blick auf seine Umwelt kann man einen hervorragenden Spiegel des eigenen Seins entdecken. Fährt man beispielsweise mit dem Auto durch die Landschaft, kann man beobachten, wie das beschleunigte Auge zum Horizont hin gezogen wird und somit Naheliegendes und Details nicht mehr erkennen kann. Das Naheliegende und die Details zeigen sich erst wieder im Innehalten. Und das verzerrte Abbild der Landschaft auf der Netzhaut des beschleunigten Auges überlagert sich im Gehirn mit den flüchtigen Eindrücken aus dem Supermarkt, in dem ich mich eben noch befunden habe.

Beschleunigung als Ausdehnung oder Stauchung der Zeit und des Raumes findet auf der Ebene des Bildes in Skalierungs-, Verzerrungs- und Überlagerungsprozessen statt. Die verschiedenen Beschleunigungszustände der Arbeiten verweisen auf die unterschiedlichen Intensitäten unserer Verbindung zu der uns umgebenden Welt und die sich ständig ändernde Beschleunigung in unserem Leben.